Ostermenü in 3 Gängen: Münchner Sternekoch plant es für unter 30 Euro

Ostern steht vor der Tür, und mit ihm jener besondere Moment am gedeckten Tisch, an dem die Familie zusammenkommt und das Frühjahr endlich seinen Einzug hält. Frühlingszwiebeln, zarte Spargelstangen, das erste Bärlauchgrün und das klassische Osterlamm – der Münchner Markt ist in diesen Tagen ein Versprechen. Doch ein Festmahl in drei Gängen zu gestalten, ohne dabei das Haushaltsbudget zu sprengen, stellt viele vor eine echte Herausforderung. Genau hier setzt der Münchner Sternekoch Thomas Reinhardt an: Er beweist, dass Gaumenerlebnisse keine fünfstelligen Wareneinkäufe voraussetzen.

Sein Konzept ist so bestechend wie geradlinig – saisonale Produkte, kluge Planung, konsequente Reduktion auf das Wesentliche. Wer versteht, wie ein erfahrener Koch denkt, kocht automatisch besser und günstiger. In diesem Artikel erfahren Sie, welche drei Gänge Reinhardt für das Osterfest 2026 zusammengestellt hat, wie er unter der Marke von 30 Euro für vier Personen bleibt und welche Handgriffe den entscheidenden Unterschied machen. Es ist an der Zeit, die Schürze umzubinden.

Vorbereitung45 Min.
Garzeit gesamtca. 90 Min.
Ruhezeit20 Min. (Lamm)
Portionen4 Personen
SchwierigkeitsgradMittel
Kosten€ (unter 30 €)
SaisonGrüner Spargel, Bärlauch, Radi, Lammkeule, Erdbeeren

Die philosophie dahinter: weniger kaufen, besser kochen

Thomas Reinhardt ist kein Unbekannter in der Münchner Gastronomieszene. Sein kleines Restaurant in Schwabing trägt seit Jahren einen Michelin-Stern – nicht wegen exotischer Importware, sondern wegen seiner Fähigkeit, bayerisches Saisongemüse, regionale Fleischqualität und klassische Kochtechnik zu verbinden. Sein erstes Gebot für ein Festessen lautet: mise en place, also die vollständige Vorbereitung aller Zutaten, bevor der erste Herd eingeschaltet wird. Wer organisiert kocht, verschwendet weder Zeit noch Lebensmittel.

Der zweite Grundsatz: Ein günstiges Menü entsteht nicht durch billige Zutaten, sondern durch die Wahl von Produkten, die an einem bestimmten Tag ihren Höhepunkt erreichen. Ende März ist grüner Spargel auf dem Viktualienmarkt deutlich günstiger als weißer – und geschmacklich intensiver, wenn man ihn richtig behandelt. Bärlauch wächst derzeit wild an den Hängen des Isartals und kostet im Bund weniger als zwei Euro. Das Lammkarree hingegen lässt sich durch die preisgünstigere, aber aromatisch gleichwertige Lammschulter ersetzen, die langsam geschmort eine Textur entwickelt, die jeden Tafelfreude bereitet.

Der erste gang: bärlauchcremesuppe mit gerösteten pinienkernen

Vorbereitung10 Min.
Garzeit20 Min.
Kosten (4 Pers.)~ 4,50 €

Inhaltsstoffe

  • 1 großer Bund Bärlauch (ca. 80 g), gut gewaschen
  • 1 mittelgroße Kartoffel (ca. 150 g), mehligkochend, gewürfelt
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 600 ml Gemüsefond (hausgemacht oder aus dem Glas)
  • 150 ml Schlagsahne
  • 2 EL Butter
  • 30 g Pinienkerne
  • Meersalz, weißer Pfeffer, frisch geriebene Muskatnuss

Zubereitung

1. Basis ansetzen

Die Butter in einem mittelgroßen Topf bei mittlerer Hitze schmelzen, bis sie schäumt, aber noch nicht bräunt. Schalotte und Kartoffelwürfel einrühren und bei geschlossenem Deckel etwa 5 Minuten anschwitzen – die Kartoffel bindet später die Suppe auf natürliche Weise, ohne Mehl. Mit dem Gemüsefond aufgießen und bei leichtem Köcheln rund 12 Minuten garen, bis die Kartoffelwürfel vollständig weich sind und beim Anstechen zerfallen.

2. Bärlauch einarbeiten

Den Bärlauch grob zupfen und direkt vor dem Pürieren in den Topf geben – keinesfalls früher, da er bei langer Hitze seine leuchtend grüne Farbe und das charakteristische, knoblauchartige Aroma verliert. Sahne zugießen, einmal kurz aufkochen und sofort mit einem Stabmixer fein pürieren. Durch ein feines Sieb streichen für eine samtartige Konsistenz. Mit Salz, weißem Pfeffer und einem Hauch Muskat abschmecken.

3. Pinienkerne rösten

Pinienkerne ohne Fettzugabe in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze goldbraun rösten. Sie wenden sich vom Rand her, daher regelmäßig schwenken und die Pfanne nie verlassen – zehn Sekunden zu lang, und sie sind bitter. Auf einem Küchentuch auskühlen lassen und als Textur-Kontrast auf die Suppe streuen.

Der zweite gang: geschmorte lammschulter mit grünem spargel und rosmarinjus

Vorbereitung20 Min.
Schmorzeit2,5 Stunden (kann am Vortag erfolgen)
Kosten (4 Pers.)~ 18 €

Inhaltsstoffe

  • 1,2 kg Lammschulter, ausgelöst, beim Metzger vorbestellen
  • 500 g grüner Spargel, unteres Drittel geschält
  • 3 Zweige frischer Rosmarin
  • 4 Knoblauchzehen, leicht angedrückt
  • 1 Karotte, 1 Stange Sellerie, 1 Zwiebel – grob gewürfelt (Mirepoix)
  • 200 ml trockener Weißwein (oder Lammfond)
  • 400 ml Lammfond (alternativ Kalbsfond)
  • 2 EL Olivenöl
  • Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

1. Lammschulter anbraten

Den Backofen auf 160 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Olivenöl in einem schweren Schmortopf – idealerweise aus Gusseisen – bei starker Hitze erhitzen, bis es leicht zu rauchen beginnt. Die Lammschulter von allen Seiten kräftig anbraten, mindestens 3 Minuten pro Seite, bis eine tiefbraune, aromatische Kruste entsteht. Diese Maillard-Reaktion – die Bräunungsreaktion zwischen Aminosäuren und Zuckern – ist der Geschmacksspeicher des gesamten Gerichts.

2. Schmorgemüse und Ablöschen

Fleisch herausnehmen, Mirepoix im selben Topf anschwitzen, Knoblauch und Rosmarin zugeben. Mit Weißwein ablöschen und den Bratensatz mit einem Holzlöffel vom Topfboden lösen – hier steckt Farbe und Tiefe. Fond angießen, Lamm zurücklegen, Deckel auflegen und im Ofen 2,5 Stunden schmoren. Das Fleisch ist fertig, wenn es sich mit zwei Gabeln mühelos auseinanderzieht.

3. Jus reduzieren und Spargel garen

Den Schmorfond durch ein Sieb passieren und in einem kleinen Topf auf einem Drittel seines Volumens einkochen – die Konsistenz wird sirupartig und konzentriert. Den Spargel in kochendem Salzwasser 4 bis 5 Minuten blanchieren, bis er bissfest-zart ist und seine hellgrüne Farbe leuchtend bleibt. Mit einem Stich kalter Butter schwenken.

Der dritte gang: erdbeer-rhabarber-kompott mit sauerrahmcreme

Vorbereitung15 Min.
Garzeit15 Min.
Kühlzeitmind. 1 Stunde
Kosten (4 Pers.)~ 6,50 €

Inhaltsstoffe

  • 250 g Erdbeeren, halbiert
  • 300 g Rhabarber, in 2 cm große Stücke geschnitten
  • 3 EL Rohrohrzucker
  • Saft und Abrieb von ½ Bio-Zitrone
  • 1 Vanilleschote, Mark herausgekratzt
  • 250 g Sauerrahm
  • 2 EL Puderzucker
  • 1 TL Orangenblütenwasser (optional)

Zubereitung

1. Kompott ziehen lassen

Rhabarber mit Rohrohrzucker, Zitronensaft und Vanillemark in einen kleinen Topf geben und bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren 10 Minuten köcheln, bis der Rhabarber weich wird und sein Saft eindickt. Erdbeeren zugeben, Topf vom Herd ziehen und nur ziehen lassen – sie sollen ihre Form behalten und nicht zerfallen. Vollständig abkühlen, dann mindestens eine Stunde kalt stellen.

2. Sauerrahmcreme aufschlagen

Sauerrahm mit Puderzucker und, wer möchte, einem Hauch Orangenblütenwasser mit einem Schneebesen glatt rühren. Kalt servieren. Die leichte Säure des Rahmens bildet mit der Süße des Kompotts jenen Kontrast, der das Dessert lebendig macht.

Mein Tipp von Thomas Reinhardt

„Der größte Fehler beim Festessen ist das Durchhetzen. Schmoren Sie das Lamm bereits am Samstag, bereiten Sie Suppe und Dessert am Sonntagmorgen vor und erhitzen Sie alles behutsam. Ein Ostermenü, das zu 80 Prozent fertig ist, wenn die Gäste klingeln, schmeckt immer besser als eines, das in Echtzeit entsteht. Kochen unter Stress ist das Gegenteil von gutem Kochen."

Weinbegleitung zum Ostermenü

Ein Drei-Gänge-Menü mit diesen Aromen verlangt nach Weinen, die Frühlingslichtigkeit mit ausreichend Substanz verbinden. Die Bärlauchsuppe braucht einen Partner mit kräuteraromatischer Frische, das Lamm einen Wein mit Tiefgang, das Dessert einen süßen Abschluss.

Zur Suppe passt ein Grüner Veltliner Federspiel aus der Wachau – pfeffrig, schlank, mit feiner Textur. Zum Lamm empfiehlt sich ein Blaufränkisch aus dem Burgenland oder ein leichterer Côtes du Rhône mit Rosmarin- und Wildkirschennoten, die das Kraut im Jus spiegeln. Wer keinen Alkohol trinkt, trifft mit einem naturtrüben Apfelsaft aus der Region eine ebenso stimmige Wahl. Zum Dessert: ein kleines Glas Moscato d'Asti, leicht prickelnd, mit Pfirsich und Rosenblüte.

Was dieses Menü besonders macht

Sternekochmenüs assoziieren die meisten Menschen mit Trüffel, Jakobsmuscheln und dreistelligen Materialkosten. Thomas Reinhardts Ansatz ist das Gegenteil einer Modeerscheinung – er wurzelt in der deutschen und bayerischen Kochschultradition, die Sparsamkeit nie als Einschränkung, sondern als handwerkliche Tugend begriffen hat. Das nose-to-tail-Prinzip, also die vollständige Verwertung eines Tieres, die Nutzung von Knochen für Fond und Schalen für Aromen, bestimmt hier die Menüstruktur. Rhabarber und Erdbeeren kommen im Frühjahr gleichzeitig – diese kurze gemeinsame Saison macht ihr Aufeinandertreffen im Dessert zum kulinarischen Moment des Jahres.

Das Menü lässt sich problemlos auf sechs oder acht Personen skalieren, ohne die Kostengrenze von 8 Euro pro Person zu überschreiten. Wer regional und saisonal einkauft, zahlt weniger, weil er nicht gegen den Markt, sondern mit ihm kocht. Genau das ist es, was Sternegastronomie im besten Sinne von bloßer Küchentechnik unterscheidet: das Wissen, wann welches Produkt seinen besten Tag hat.

Nährwerte (pro Person, Gesamtmenü, Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~680 kcal
Eiweiß~42 g
Kohlenhydrate~38 g
davon Zucker~14 g
Fett~34 g
Ballaststoffe~6 g

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die Lammschulter durch ein anderes Fleisch ersetzen?

Ja, eine langsam geschmorte Kalbshaxe oder ein Schweinebauch eignen sich als günstigere Alternativen und vertragen dieselbe Schmortechnik. Die Garzeit kann sich je nach Fleischstück um 30 bis 45 Minuten verkürzen oder verlängern – das Fleisch gibt es Ihnen durch seine Textur zu verstehen, nicht die Uhr. Für eine vegetarische Variante lässt sich ein geschmortes Gemüseterrine aus Karotte, Pastinake und Linsen in derselben Jus glasieren.

Wie weit im Voraus kann ich das Menü vorbereiten?

Die Lammschulter kann zwei Tage im Voraus geschmort werden – sie gewinnt an Aroma, wenn sie in ihrem eigenen Fond kalt gestellt wird. Bärlauchsuppe lässt sich am Vortag zubereiten, sollte aber erst beim Erhitzen abgeschmeckt werden, da Bärlauch seine Schärfe über Nacht intensiviert. Das Kompott hält im Kühlschrank bis zu drei Tage problemlos durch.

Wo kaufe ich die Zutaten günstig und in guter Qualität?

Auf Wochenmärkten – in München der Viktualienmarkt oder die Bezirksmärkte in Schwabing, Neuhausen und Haidhausen – ist grüner Spargel Ende März deutlich günstiger als im Supermarkt. Bärlauch ist oft noch günstiger direkt beim Gemüsebauern oder auf Bioläden in Bünden. Lammschulter bestellen Sie idealerweise beim Metzger Ihres Vertrauens vor: Sie ist preiswerter als Karree und liefert beim Schmoren eine intensivere Sauce.

Was tue ich, wenn mein Kompott zu flüssig bleibt?

Rhabarber gibt beim Garen je nach Frische sehr unterschiedliche Mengen Flüssigkeit ab. Sollte das Kompott nach dem Abkühlen zu dünnflüssig sein, einfach nochmals 5 Minuten ohne Deckel bei mittlerer Hitze einreduzieren. Eine halbe, in etwas Wasser aufgelöste Pfeilwurzelstärke – sie ist im Vergleich zu Maisstärke neutraler im Geschmack – bindet sanft und ohne zu trüben.

Reichen 30 Euro wirklich für vier Personen?

Bei regionalem Einkauf und saisonalem Angebot Ende März ist das gut realisierbar: Bärlauch (~2 €), Suppenzutaten (~2,50 €), Lammschulter 1,2 kg (~15–17 €), grüner Spargel (~4 €), Erdbeeren und Rhabarber (~5 €), Sauerrahm und Gewürze (~2,50 €). Wer noch Fond, Wein und Butter zu Hause hat, bleibt deutlich unter der Marke. Die Kalkulation setzt voraus, dass kein Fertigprodukt verwendet wird.