Die Osterpinze aus Kärnten gehört zu den traditionsreichsten süßen Hefegebäcken Österreichs. Jedes Frühjahr, wenn die Ostertage näher rücken, erfüllt der Duft von Anis und frisch gebackenem Hefeteig die Küchen Kärntens. Dieses geflochtene Brot mit seiner goldgelben Kruste und der luftig-weichen Krume ist mehr als nur ein Gebäck: es symbolisiert die Auferstehung und den Neubeginn. Die charakteristische Anisnote verleiht der Pinze ihren unverwechselbaren Geschmack, während die glänzende Oberfläche durch eine Eistreiche entsteht. Heute zeige ich euch, wie ihr diese österreichische Spezialität zu Hause nachbacken könnt. Mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen gelingt euch ein Gebäck, das nicht nur optisch beeindruckt, sondern auch geschmacklich überzeugt. Die Zubereitung erfordert Zeit, denn der Hefeteig muss mehrfach gehen, doch das Ergebnis lohnt jeden Moment des Wartens.
35
40
moyen
€
Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. vorteig ansetzen
Erwärmt die milch in einem kleinen topf auf etwa 37 grad celsius. Sie sollte lauwarm sein, nicht heiß. Gebt die frische hefe in eine schüssel und zerbröselt sie mit den fingern. Fügt zwei esslöffel vom zucker und etwa 100 milliliter der lauwarmen milch hinzu. Rührt alles mit einer gabel glatt, bis sich die hefe vollständig aufgelöst hat. Lasst diesen vorteig – eine erste hefemischung, die die hefe aktiviert – für etwa zehn minuten an einem warmen ort stehen, bis sich kleine bläschen an der oberfläche bilden. Das zeigt euch, dass die hefe arbeitet und der teig später schön aufgehen wird.
2. hauptteig herstellen
Gebt das mehl in eine große schüssel oder direkt in die küchenmaschine. Macht in der mitte eine mulde. Fügt den restlichen zucker, das salz, den gemahlenen anis, die beiden eier und die weiche butter in würfeln hinzu. Gießt den vorteig und die restliche lauwarme milch dazu. Beginnt langsam zu kneten. Wenn ihr eine küchenmaschine verwendet, lasst den knethaken etwa acht minuten auf mittlerer stufe arbeiten. Von hand benötigt ihr etwa zehn bis zwölf minuten intensives kneten. Der teig sollte sich vom schüsselrand lösen und geschmeidig, aber nicht klebrig sein. Falls er zu feucht ist, gebt esslöffelweise etwas mehl hinzu. Die aniskörnchen verteilen sich dabei gleichmäßig im teig und sorgen für das typische aroma.
3. erste gehzeit
Formt den teig zu einer kugel und legt ihn zurück in die leicht gefettete schüssel. Deckt die schüssel mit einem sauberen küchentuch ab und stellt sie an einen warmen, zugfreien ort. Ideal ist eine temperatur zwischen 25 und 30 grad celsius. Der teig muss nun etwa 60 bis 90 minuten gehen, bis er sein volumen verdoppelt hat. Diese gehzeit – die ruhezeit, in der die hefe den teig aufgehen lässt – ist entscheidend für die lockere konsistenz der osterpinze. Habt geduld, denn gute hefegebäcke brauchen zeit. Ihr könnt die schüssel auch in den leicht vorgewärmten backofen stellen, aber achtet darauf, dass er wirklich nur handwarm ist.
4. teig flechten
Wenn der teig schön aufgegangen ist, nehmt ihn aus der schüssel und knetet ihn auf einer leicht bemehlten arbeitsfläche kurz durch. Teilt den teig in drei gleich große stücke. Rollt jeden teil mit den händen zu einem etwa 40 zentimeter langen strang. Die stränge sollten gleichmäßig dick sein, damit die pinze später gleichmäßig bäckt. Legt die drei stränge nebeneinander und drückt sie an einem ende zusammen. Beginnt nun zu flechten: legt den rechten strang über den mittleren, dann den linken über den neuen mittleren. Wiederholt diesen vorgang bis zum ende. Drückt auch das untere ende fest zusammen. Das flechten – eine technik zum verflechten von teigsträngen – erfordert etwas übung, aber keine sorge, auch eine etwas unregelmäßige pinze schmeckt wunderbar.
5. zweite gehzeit und vorbereiten
Legt die geflochtene pinze vorsichtig auf ein mit backpapier ausgelegtes backblech. Deckt sie wieder mit einem küchentuch ab und lasst sie nochmals 30 bis 45 minuten gehen. Sie sollte sichtbar an volumen zunehmen und sich leicht anfühlen. Heizt gegen ende dieser gehzeit den backofen auf 180 grad celsius ober-/unterhitze vor. Verquirlt das eigelb mit einem esslöffel wasser in einer kleinen schüssel. Bestreicht die pinze mit einem pinsel großzügig mit dieser eigelbmischung. Sie sorgt für die schöne goldbraune farbe und den appetitlichen glanz. Streut zum schluss den hagelzucker über die pinze. Diese großen zuckerkristalle geben beim backen einen schönen crunch.
6. backen und abkühlen
Schiebt das blech in die mitte des vorgeheizten backofens. Backt die osterpinze etwa 35 bis 40 minuten, bis sie eine schöne goldbraune farbe angenommen hat. Nach etwa 20 minuten könnt ihr vorsichtig durch die ofenscheibe schauen: wenn die pinze zu dunkel wird, deckt sie locker mit alufolie ab. Das gebäck ist fertig, wenn es beim klopfen auf die unterseite hohl klingt. Nehmt die pinze aus dem ofen und lasst sie auf einem kuchengitter vollständig auskühlen. Erst nach dem abkühlen entwickelt sich die typische konsistenz. Der duft von anis wird euer zuhause erfüllen und alle in die küche locken.
Tipp vom Chefkoch
Wenn ihr keine frische hefe zur hand habt, könnt ihr auch trockenhefe verwenden. Rechnet etwa zehn gramm trockenhefe für dieses rezept. Sie wird direkt zum mehl gegeben, nicht in der milch aufgelöst. Die anismenge könnt ihr nach eurem geschmack anpassen: wer es intensiver mag, nimmt einen halben teelöffel mehr, wer es dezenter bevorzugt, reduziert die menge leicht. Achtet beim kneten darauf, dass alle zutaten zimmerwarm sind, denn zu kalte butter oder eier können die hefewirkung bremsen. Die pinze hält sich in einem brotkasten oder in folie eingewickelt etwa drei bis vier tage frisch. Ihr könnt sie auch einfrieren und bei bedarf auftauen lassen.
passende getränke zur osterpinze
Zur kärntner osterpinze passt hervorragend ein milder kaffee oder ein cappuccino, dessen cremigkeit die süße des gebäcks wunderbar ergänzt. Traditionell wird die pinze in österreich auch gerne zu einem glas frischer milch oder einem leichten schwarztee mit zitrone gereicht. Für kinder ist ein kakao die perfekte begleitung. Wer es festlicher mag, kann auch einen süßen dessertwein wie einen österreichischen trockenbeerenauslese servieren, dessen honignoten mit dem anis harmonieren. An ostern selbst wird die pinze oft zum osterfrühstück mit einem glas orangensaft genossen.
Zusätzliche Info
Die osterpinze hat in kärnten eine jahrhundertealte tradition und gehört zum immateriellen kulturerbe österreichs. Ursprünglich wurde sie ausschließlich zur osterzeit gebacken und am karsamstag zur speisenweihe in die kirche gebracht. Der name ‚pinze‘ leitet sich vom lateinischen ‚pincere‘ ab, was ‚drücken‘ oder ‚formen‘ bedeutet. Die zugabe von anis ist typisch für die kärntner variante und unterscheidet sie von anderen österreichischen osterbroten. In manchen regionen wird die pinze auch mit rosinen oder zitronenschale verfeinert. Historisch gesehen war die pinze ein zeichen des wohlstands, denn zutaten wie butter, eier und gewürze waren kostbar. Heute ist sie ein symbol für gemeinschaft und wird gerne im familienkreis geteilt. Jede familie hat ihre eigene rezeptvariante, die von generation zu generation weitergegeben wird.



